| Via
Francigena - Einleitung
Als Via Francigena, auch Frankenstraße
oder Frankenweg, werden im weiteren Sinne die alten Fernstraßen
bezeichnet, die Pilger auf ihrem Weg von Franken nach Rom
zur Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus, nutzten.
Besonders zu Beginn des 2. Jahrtausends
zog eine Vielzahl von Pilgern “auf der Suche nach dem
verlorenen Paradies“ durch Europa.
Hierbei hatten diese Menschen auf Wanderschaft
drei Anziehungspunkte: Rom als Ort des Martyriums der hll.
Petrus und Paulus, den Begründern christlichen Kirchengemeinde;
Das Heilige Land mit dem Berg Golgatha,
wo man die Orte von Christi Leidensweg aufsuchte;
Santiago de Compostela am äußersten Ende Westeuropas,
das der Apostel Jakob sich zur letzten Ruhestätte erwählt
hatte.
Und so verwandelte sich Europa in ein Netz
von Wegen, Pfaden und Straßen, deren Ziel- und Ausgangspunkt
die Wallfahrtsorte waren.
Der Weg nach Rom führte über die
damals vielleicht wichtigste Straße, die “Via
Francigena“ oder “Via Romea“, die von den
Westalpen und den Regionen am Rhein kommend wenigstens sieben
Jahrhunderte lang von Herrschern, Kaisern, Menschen aus dem
Volk und Geistlichen benutzt wurde.
Die Via Francigena, die von Canterbury
nach Rom führte, ist ein geschichtsträchtiger Weg,
eine Hauptstraße, auf der in der Vergangenheit hunderttausende
von Pilgern nach Rom wanderten.
Damals war das Reisen kein einfaches Abenteuer,
sondern war auch ein Ausdruck der Andacht: die Wallfahrt zu
den heiligen Stätten der christlichen Religion. Heute
läßt sich diese Strecke mithilfe eines Dokuments
rekonstruieren, das Sigericus, der Erzbischof von Canterbury,
994 nach seiner Rückkehr aus Rom abfaßte, wobei
es sich um ein Tagebuch der verschiedenen Reiseetappen handelt.
Nicht zufällig will man nach tausend
Jahren eine Straße wiederentdecken, die einst als Verbindungs-
und Kommunikationsweg zwischen den verschiedenen Kulturen
und Ideen der Länder Europas fungierte.
Und Europa erlebt jetzt erneut eine Öffnung
der Grenzen.
Dieser Wunsch nach Vereinigung kam jedoch
bereits damals während der Pilgerfahrten auf der Via
Francigena zum Ausdruck.
Dieser Pilgerweg überquerte die Alpen
im Aostatal und führte hinab nach Piemont, dann von der
Lombardei in die Po-Ebene, überquerte den Appenin in
Richtung Berceto, dann ging es durch die Toskana und Latium
bis nach Rom.
Noch heute sind auf unserem Gebiet Fragmente
und Erinnerungsstücke dieser Pilgerwege aufzufinden,
mit denen die Geschichte Europas ihren Anfang nimmt.
Oft findet sich dafür auch –
auf das Ziel bezogen – die Bezeichnung „Via Romea“.
Obwohl bereits im Itinerarium Burdigalense (334) ein Pilgerweg
nach Rom beschrieben wurde und auch durch die Annales Stadenses,
eine zwischen 1240 und 1256 von dem Abt Albert von Stade aufgezeichnete
Chronik über sämtliche Routenverbindungen zwischen
Mittel- und Nordeuropa und Rom, viele Wege von Franken nach
Rom belegt sind, hat sich die Nennung einer Strecke unter
dieser Bezeichnung eingebürgert:
Es handelt sich dabei um den Weg von Canterbury nach Rom,
der in den Aufzeichnungen des Erzbischofs Sigerich der Ernste
von Canterbury (994) beschrieben wurde.
Im Jahre 1994 hat das European Institute of Cultural Routes
– auf Antrag des italienischen Tourismusministeriums
– den Pilgerweg von Canterbury nach Rom als Europäische
Kulturstraße deklariert, dem die nachfolgende Beschreibung
entspricht. |